Filmriss

Beim Salzburger Bergfilm-Festival 2014 wurde das 60-Jahr-Jubiläum von Herbert Tichys Erstbesteigung des mehr als 8.188 Meter hohen Cho Oyu (1954) ausgiebig gefeiert – ohne, dass dabei Kritiker der seit Jahrzehnten gepflegten Tichy-Verehrung im offiziellen Programm zu Wort kamen. Zuletzt geriet das Festival, das bis Anfang Dezember dauerte, durch die aktuelle Debatte über Tichy NSDAP-Vergangenheit ins öffentliche Scheinwerferlicht.  Beim Festival selbst verhinderte dessen Leiter Michael Bilic eine Veranstaltung mit dem Historiker Hannes Stanik auf der Bühne.

Dabei hätten neben Tichys fast 700 Zeitungsartikeln für die gleichgeschaltete NS-Presse auch Details wie dieses diskutiert werden können: Am 8. April 1936 schrieb der 1932 der NSDAP beigetretene Wiener aus Indien an seinen Vater begeistert – zwei Jahre vor Hitlers „Anschluss“ von Österreich, dass „alle Deutschen in Indien begeisterte Nationalsozialisten seien. Er sei „froh, mit einer deutschen Zeitung zu arbeiten und ein wenig den Weg aus Österreich herausgefunden“ zu haben.

Und so berichtete der ORF am 13. November 2014 über das Salzburger Bergfilmfestival 2014:

„… Es war in den letzten Tagen bzw. zwei Wochen bei den Veranstaltern noch im Gespräch, auch sehr aktuelle Themen wie die historischen Forschungen über die NSDAP-Vergangenheit des Bergsteigers, Schriftstellers und Journalisten Herbert Tichy ins Programm zu nehmen. Hintergrund: Der Wiener Historiker Hannes Stanik hat Tichys Nachlass erforscht und dabei auch seine Rolle als Reporter im japanisch besetzten China näher beleuchtet, wo Tichy für Zeitungen im nationalsozialistischen Deutschland berichtete. Er hat laut Stanik dabei fast 700 Zeitungsberichte verfasst, mit viel Propaganda im Sinn von Hitlerdeutschland und dem mit diesem verbündeten Japan. Auch antisemitische Töne soll Tichy dabei angeschlagen bzw. das Judentum für Asiens Krisen und den Krieg im Pazifik verantwortlich gemacht haben. Historiker Stanik sagt, er sei vom Bergfilmfestival kontaktiert worden, ob noch ein Vortragstermin mit ihm für das heurige Programm in Salzburg fixiert werden könne. Er sagte zu. Am Donnerstag schilderte er dem ORF, er könne Tichys sehr frühe NSDAP-Parteimitgliedschaft seit 1932 nach weiteren Forschungen mittlerweile zweifelsfrei nachweisen.

Am Donnerstag wurde dann bei einem Pressegespräch des Festivals auf die Frage des Journalisten Bernhard Flieher bekannt, dass es im Rahmen des heurigen Programms nun doch keine Einladung für Stanik gebe. Das Festival bringt zu Tichy – wie schon länger geplant – ausschließlich einen Film von Lutz Maurer sowie einen Vortrag von Herwig Frisch vom Verein „Götterberge-Menschenwege“, der Tichys Lebenswerk seit Jahren pflegt und seine Vorbildfunktion publizistisch hervorhebt. Der ORF hat beim Festivalleiter, Michael Bilic, um eine Stellungnahme angefragt. Dieser war bisher nicht erreichbar …“

Gegenüber dem Journalisten Gerald Lehner, der sich intensiv und tagelang vergeblich bemüht hatte, Bilic für eine Stellungnahme zu erreichen, sagte dieser wenige Tage später: Die Forschungen und Enthüllungen über Tichys NSDAP-Verstrickungen und seine antisemitischen Zeitungsberichte würden allesamt nicht stimmen (Bilic). Auf das Angebot Lehners, das entsprechende Material vorzulegen und sachlich zu diskutieren, ging Michael Bilic nicht ein. Er bezichtigte den Journalisten in nicht gerade freundlichem Ton der unseriösen Arbeit und nahm Tichy einmal mehr in Schutz. Bilic ist schon seit längerer Zeit mit dem Verein „Götterberge-Menschenwege“ in näherem Kontakt, bei dem Tichys Vermächtnis intensiv gepflegt wird – auch hier im Web nachzulesen. Bei Tichys Verehrern heißt es neuerdings zur Verteidigung, Tichy sei ja erst 20 Jahre alt gewesen, als er 1932 (knapp sechs Jahre vor Hitlers verbrecherischem „Anschluss“ Österreichs) zur NSDAP ging. Also alles kein Problem? Zu den vielfältigen und eindeutigen Zeitungsartikeln, die Österreichs Nationalheld Tichy zwischen seinem 26. und 33. Lebensjahr für die Nationalsozialisten verfasst hatte, gibt es keine konkreten oder nur ansatzweise kritischen Stellungnahmen von  Verehrern. Außer: Er habe halt sein „kärgliches Einkommen“ in Asien damit bestritten. Mit subtiler Propaganda und offener Hetze gegen die USA, Großbritannien und Australien, zur höheren Ehre der japanischen Faschisten, die unter anderem China unterjochten und mit Hitler verbündet waren.

Auf den Hinweis Lehners, dass Filmfestival-Direktor Bilic offenbar der Mut fehle („Du bist wohl zu feig“ war der Wortlaut), beim Bergfilmfestival 2014 eine vielschichtige Debatte mit Pro und Contra über Tichy zuzulassen, reagierte der Angesprochene mit sehr großer Empörung. Er forderte Lehner in befehlsmäßigem Ton auf, den Raum zu verlassen – obwohl Bilic in diesem Raum zu Gast war.

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